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Bildung & Chancengleichheit

Zeit für den Wechsel –
Zeit für Bildungsgerechtigkeit!

Die Hessische SPD-Landtagsfraktion hat mit ihrem "Haus der Bildung" ein Konzept vorgelegt, das ich für sehr sinnvoll halte, und für das auch ich mich einsetzen werde!

Die vergangenen Jahre und insbesondere die Zeit der CDU-Alleinregierung waren verlorene Jahre für die hessischen Schulen und Bildungseinrichtungen. Mehr noch: Die CDU-Landesregierung steuerte volle Kraft in die bildungspolitische Vorvergangenheit.

Die Hessische Landesregierung und die CDU haben die völlig falschen Konsequenzen aus der PISA-Studie gezogen. Statt fundiert zu handeln, waren sie stets bemüht, die Schullandschaft Hessens mit der ideologischen Schere zurechtzuschneiden. Die Ergebnisse sind erschreckend:

 

  • Individuelles Lernen in der Schule findet immer weniger statt. Die CDU verbaut durch ihre Politik Bildungschancen und schafft die Durchlässigkeit im Schulsystem ab. Dies wird dramatisch mit der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit in der Mittelstufe auf fünf Jahre verstärkt.
  • Die CDU betreibt mit ihren Billiglösungen Etikettenschwindel bei der Einrichtung von Ganztagsschulen.
  • Die CDU geht mit ihrer Politik nicht auf die Kinder ein, sondern setzt auf Auslese und deshalb auf eine Ausweitung der Querversetzung und Nichtversetzung.
  • Die CDU betreibt nicht ernsthaft Qualitätsentwicklung, sondern setzt auf Tests und Rankings.
  • Die CDU setzt nicht auf breite Förderung von Begabungen, sondern auf Schloss Hansenberg – eine Sonderschule für Hochleistende.
  • Die CDU setzt nicht auf die Eröffnung von Bildungschancen für viele, sondern lässt mit ihrer Politik immer mehr Kinder und Jugendliche als Bildungsverlierer zurück.


Aber auch die zentralen bildungspolitischen Wahlversprechen hat die CDU nicht eingelöst:

 

  • Die Unterrichtsgarantie ist noch nicht erfüllt. Im Gegenteil: Nach wie vor fehlen richtige Lehrerstellen, um die Grundunterrichtsversorgung zu decken.
  • Die Unterrichtsgarantie plus sollte die tatsächliche Unterversorgung an den Schulen verfälschen. Dies ist gründlich misslungen. Fachunterricht lässt sich nur durch Fachleute erteilen, nicht durch Laien.
  • Trotz steigender Schülerzahlen weist die Statistik des Kultusministeriums sinkende Klassenzahlen auf. Die einzige Erklärung hierfür ist, dass die Klassen immer größer werden.
  • Das Anwachsen der Klassengrößen wurde zusätzlich dadurch gesetzlich festgeschrieben, dass sogenannte Richtwerte für die Klassenbildung eingeführt wurden: Für die Hauptschule muss ein Wert von 17, für die Realschule von 23 und fürs Gymnasium sogar 24 Schülerinnen und Schüler erreicht werden, die eine Klasse besuchen. Damit werden weniger Klassen gebildet, diese aber werden immer voller sein. Außerdem will die Landesregierung kleinere Schulen vor allem auf dem Lande schließen.
  • Gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern hat die Landesregierung jegliches Vertrauen verspielt: Statt die Lehrkräfte zu entlasten, hat sie Mehrarbeit verordnet, um den völlig an die Wand gefahrenen Haushalt zu sanieren. Es ist nicht hinnehmbar, dass Lehrerinnen und Lehrer für die finanzpolitische Inkompetenz der Regierung Koch herhalten müssen.
  • Auch im Bereich der Weiterbildung sind die Mittel unter der Regierung Koch/Wolff zusammengestrichen worden. Wer dies tut, kann es mit dem lebensbegleitenden Lernen nicht ernst meinen.


Die SPD setzt dem ein klares bildungspolitisches und pädagogisch begründetes Konzept entgegen. Unser „Haus der Bildung“ folgt klaren Prinzipien:

 

  • Jede Schule steht in der Verpflichtung, ihre Schülerinnen und Schüler erfolgreich zu einem Abschluss der Sekundarstufe I zu führen.
  • Die Querversetzung, d. h. die Überweisung an eine andere Schulform, wird aus dem Schulgesetz gestrichen.
  • An die Stelle des Sitzenbleibens treten Fördermaßnahmen.
  • Alle Schulen der Sekundarstufe I bereiten auf sämtliche Abschlüsse vor.
  • Die Sekundarstufe I erstreckt sich auf sechs Jahrgangsstufen
  • die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit in der Mittelstufe (G 8) wird rückgängig gemacht.
  • Die Mittel für „Unterrichtsgarantie plus“ werden den Schulen zur Bewirtschaftung in eigener Zuständigkeit zur Verfügung gestellt. Diese organisieren damit zusätzliche Angebote an ihren Schulen. Regulärer Fachunterricht wird durch reguläre Lehrkräfte erteilt.
  • Das System der Förderschulen muss von Grund auf neu überdacht werden. Die integrativ arbeitende Schule bezieht deren Erfahrungen und Konzeptionen ein. Ziel ist die Überwindung aussondernder schulischer Einrichtungen. Lediglich für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit schweren und schwersten Behinderungen werden gesonderte Klassen und Schulen nötig sein.
  • Es werden schulformunabhängige Bildungsstandards für den Sekundarbereich I entwickelt, die beschreiben, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler am Ende eines Jahrgangs mindestens erreicht haben sollen.
  • Gleichzeitig werden die bestehenden schulformbezogenen Lehrpläne sowie die schulformbezogenen Stundentafeln aufgehoben und durch Kernlehrpläne und Jahresstundentafeln ersetzt, die an den Bildungsstandards orientiert sind. Die Schulen erhalten den pädagogischen Freiraum, damit möglichst viele Schüler die Kompetenzstufen im Rahmen dieser Kernlehrpläne erreichen können.
  • Zentrale Prüfungen in der bestehenden Form lehnen wir ab. Die Bildungsstandards, welche die Schulen in eigener Verantwortung für alle Kinder erreichen sollen, müssen in geeigneter Weise überprüft werden. Dies schließt die Vergleichbarkeit von Prüfungen durchaus ein.
  • Den Eltern soll die freie Schulwahl ermöglicht werden. Eine möglicherweise vor Ort dennoch nötige Einrichtung von Schuleinzugsbereichen für den Sekundarbereich I wird den Trägern der Schulentwicklungsplanung überlassen. Sie können dies nach örtlichen Gegebenheiten entscheiden.
  • Der Elternwille wird ernst genommen. Daher wird es keine Schulformempfehlung der Grundschule mehr geben.
  • Eine grundlegende Veränderung des Schulsystems und der damit verbundenen Erwartungshaltung an bestmögliche Bildungserfolge der Schülerinnen und Schüler kann nur im Dialog mit Eltern und Lehrkräften erreicht werden.
  • Die Weiterentwicklung des Schulsystems muss an den vorhandenen Schulstandorten anknüpfen.
  • Beginnend mit dem Schuljahr 2008/2009 fördern wir Schulen besonders, die programmatisch festgelegt ein integratives Konzept verfolgen und weitestgehend auf äußere Differenzierung verzichten. Bis 2010 muss für jedes Kind wohnortnah mindestens eine entsprechende Schule erreichbar sein.
  • Diese Schulen arbeiten als echte Ganztagsschulen in einem pädagogisch bestimmten Tagesrhythmus und erhalten für die Arbeit als offene oder gebundene Ganztagsschulen ein entsprechendes Budget, um so nach dem Modell der „selbstständigen Schule“ zu arbeiten.
  • Die Lehrerzuweisung wird nach einem Schlüssel vorgenommen, der nicht allein die Zahl der Klassen, sondern auch die Schülerzahlen, die pädagogischen Zielsetzungen und strukturellen Bedingungen der einzelnen Schule einbezieht. Zuschläge für den Ganztagsbetrieb, für neue Förderansätze sowie für den Ausgleich soziostruktureller Faktoren der Schülerschaft werden in die Grundzuweisung aufgenommen.

 

Kinderbetreuung

Die Kindertagesstätten müssen endlich den Status frühkindlicher Bildungsstätten erhalten, um die rechtliche Grundlage zu schaffen, eine Kindergartenpflicht einzuführen. Eine kostenlose Betreuung ist dafür natürlich Voraussetzung!

Wahre Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig vom wirtschaftlichen und sozialen Status der Eltern, beginnt nicht erst in der Grundschule, sondern von allem Anfang an! Zur Herausbildung von Sprachvermögen, Wissens-, Methoden- und Sozialkompetenz sind die ersten sechs Jahre des Kindes besonders prägend. Hier sind Kinder, die keine Kita besuchen, oder erst mit fünf Jahren, klar im Nachteil. Kommen sie dann in die erste Klasse, treten häufig Probleme auf, die sich ganz nachhaltig auf den gesamten Bildungsverlauf und Bildungserfolg auswirken. Eine Kindergartenpflicht würde dies ändern!

Bildungseinrichtung heißt auch gleiche Standards, auf die die Einrichtungen hinarbeiten müssen. Wir haben zwar den Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan, der gibt aber nur allgemeingültige Vorgaben und geht wenig ins Detail. Die Vorgabe von z.B. einheitlichen standardisierten Sprachtests im Kindergarten (bei Eintritt, mit vier, mit fünf Jahren) würde Vergleichbarkeit herstellen, und so helfen zu analysieren, was die Kinder individuell benötigen, um chancengleich mit allen anderen Kindern am ersten großen Schultag stolz, sicher, selbstbewusst und kompetent "anzutreten".