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Hessisch

Hessisch für Anfänger

Hessisch für Anfänger!

Neben den geschichtlichen Kenntnissen, die man als Bewohner des Wahlkreises mitbringen sollte, ist natürlich auch die Sprache von besonderer Wichtigkeit. In einem Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler Ernst Erich Metzner (weiter unten auf dieser Seite) habe ich für Sie interessante Fakten zum hessischen Dialekt herausgefunden. Vorher können Sie einige hessische Begriffe finden, die man als Hesse unbedingt kennen sollte, um bei angeregten Gesprächen auf Volksfesten oder anderen Veranstaltungen mitdiskutieren zu können!

Diese Rubrik wird ständig aktualisiert! Ich hoffe sehr auf Ihre Mitarbeit! Fehlen hier wichtige hessische Begirffe? Kontaktieren Sie mich einfach über das Formular auf der Seite "Kontakt"!

Zunächst eine Liste hessischer Wörter und ihrer hochdeutschen Bedeutung:

 

hessisch deutsch
Aschebescher Aschenbecher / wahlweise auch eine
Person, die in der bayerischen Stadt
Aschaffenburg lebt
Babba                        Vater, Papa
babbele sprechen
babbisch klebrig
Bagaasch Gesindel
B-Ebene Beliebter Treffpunkt im Frankfurter Hbf
bei Hemmbels unnerm Soofa

sagenumwobener Ort, den jeder kennt,

aber noch niemand tatsächlich gesehen hat

beleidischd Lebberworscht empfindlicher Mensch
Bembel Apfelweinkrug
Bembelsche kleiner Apfelweinkrug
Blümmelscher kleiner Blumenstrauß
Bosse mache Dummheiten begehen
Brüggelsche kleine Brücke
brunze urinieren
Bumbesje sich artikulierende Blähung
dabbisch ungeschickt
Derrabbel meist männliches Wesen mit Untergewicht
des zischt wie Abbelsaft 1987 geprägter Ausspruch des beliebten
hessischen Volkszählers Gerd K.
Dischduch Tischdecke
Dibbe Topf
Dibbemess Frankfurter Volksfest
Dollbohrer umständlich handelnde Person
Dorschenanner Unordnung
dozze fallen
Dregwatz schmutzige Person
dribbe drüben
druff  darauf
Dubbe Farbklecks
Dutt Tüte
Drottwaaschwalb' Dame aus dem horizontalen Gewerbe
Ebbel Äpfel
Ebbelwoi Apfelwein
Eihorrschemaa Jetzt hören Sie mir bitte mal zu.
ei natäärlisch natürlich
enuff hinauf
Erbaame! Zu spät! freudiger Ausruf angesichts von in Rudeln
auftretender Hessen, Anfang der achtziger
Jahre
Erbsezähler sparsame Person
fuddele ungenau arbeiten
Fulder geistig minderbemittelter Mensch
Geknoddel    undurchschaubares Geknäule
Grabba beliebter Tresterbranntwein
Grädetiersche kleiner Fisch
Grie Soß' Frankfurter Spezialität aus saurer Sahne
und einer Kräutermischung
gugge schauen
Gummer Gurke
Guude! Guten Tag
Guude wie? Wie geht es ihnen?
Guutsje Bonbon
Häusje Hütte
Handkäs' Magermilchkäse
Hauptwach' ehemalige U-Haft, heutige U-Bahnstation
im Zentrum Frankfurts
Heilischer Heinz Bembelgott, hessische Kultfigur
hibbe hüben
hibbelisch unruhig
Hingl Huhn
hocke sitzen
huddele

oberflächlich arbeiten, meist unter

Zeitdruck

Kaff Dorf
klaa klein
Kneipsche kleines Messer
Knibbel Prügel / Knüppel
Kolder Decke
knorze eine Tätigkeit schlecht ausführen
Labbe Scheuertuch
Lebbe geht weider im Sommer 1996 anläßlich des dunkelsten
Moments hessischer Fußballgeschichte
geprägter Ausspruch
Lumbeseckel hinterhältige Person
Maa

breite Abwasserrinne mitten durch

Frankfurt

Maabrigg Brücke über den Main
Mobbelsche beleibter Mensch
Moomendemal Einen Augenblick, bitte.
naggisch unbekleidet
petze trinken
plärre falsch singen, schreien
Haldemo dei Sabbel! Bitte sei still.
Sabber Speichel
Schlappefligger unzuverlässige Person
schnalle verstehen
Schnibbelsche kleines Stück
Schnuggelsche etwas zum Naschen
Schnuud  Mund
Schodder Bargeld
Schoppe ein Glas Apfelwein
Schöppsche kleines Glas Apfelwein
schwanger Lersch übergewichtiger Mensch
sisch ableesche schlafen gehen
Simbel Einfallspinsel
Spitzkligger besserwisserischer Mensch
Stinkstibbel unerträgliche, meist männliche Person
Stinkwatz übelriechendes Wesen
uffgeblase eingebildet
uffgestumpt klein
uffmucke aufsässig werden
uffrabbele aufstehen
Uffschnitt Aufschnitt, 15 hessische Wurstsorten mit U
verkliggern erklären
Welschesdaach Frankfurter Feiertag am Dienstag nach
Pfingsten
Werrmsche kleiner Wurm
Wutz Schwein
Zeil Frankfurter Einkaufspassage
Zorres Streit
Zuggerschnecksche ringelförmiges Zuckergebäck

 

Jens Grode: Herr Professor Metzner, was versteht man sprachwissenschaftlich unter dem "Hessischen" Dialekt?

Ernst Erich Metzner: Was unter  dem "Hessischen Dialekt" zu verstehen ist, habe ich zuletzt in der längeren Einleitung S. 11-27 zum gerade erschienenen "Flerschemer Werrderbuch. A-Z" (heraudgegeben von H. J. Gall und A. Rühl, Hochheim 2012) erklärt. Danach gibt es keinen speziell hessischen Dialekt, sondern nur Dialekte im Bundesland Hessen, die in aller Regel noch über die Grenzen des Landes hinausreichen, z. B. nach Rheinhessen. Das Land Hessen hat seinen Namen letztlich von dem alten deutschen Stamm der Hessen im heutigen Niederhessen um Eder, Fulda und oberer Lahn. Erst später sind durch Heirat und kriegerische Ereignisse Gebiete bis in den südlichen Odenwald und über den Rhein hinaus hinzugekommen,  und so auch das ganze Rhein-Main-Gebiet, wo nach einer Erbteilung mit Darmstadt als Hauptstadt gewissermaßen das zweite landesfürstliche Zentrum des eigentlichen Hessens neben Kassel entstand. Frankfurt als alte freie Reichsstadt ist erst ganz spät zu Hessen gekommen.

 

Grode: Wo liegen die Ursprünge?

Metzner: Die hessischen Dialekte hehören zu den sog. "westmitteldeutschen" Dialekten, die durch lautliche Besonderheiten von den "niederdeutschen" Mundarten im Norden und den oberdeutschen im Süden getrennt werden. Das hessische Gebiet nördlich von Kassel gehört schon zum niederdeutschen Raum. Die Zusammengehörigkeit der westmitteldeutschen Dialekte und der Dialekte im Gebiet von Kassel bis Saarbrücken (und darüber hinaus reichende Gebiete, das sog. Rheinfrankische) ist dadurch bedingt, dass in diesem Bereich deutsche Stämme, vor allem Chatten und als Alamannen bezeichnete Sueben/Schwaben, sich von Nordosten kontinuierlich nach Südwesten und schließlich über den Rhein hinaus ausbreiteten, was nach dem Abzug der römischen Truppen leichter geschah. So sind die Dialekte rechts und links des Rheins kaum zu unterschieden - der Rhein ist in der Frühzeit nie eine Sprachgrenze gewesen und erst duch die Politik dazu gemacht worden.

 

Grode: Seit wann kennen wir den Begriff "Hessisch" für diesen Dialekt?

Metzner: Es gibt eigentlich kein "Hessisch" und erst seit der Existenz des Bundelandes Hessen, d. h. nach 1945, hat man diejenige "hessische" Mundartform, die im bevölkerungsreichen und wirtschaftlich hervorgehobenen Rhein-Main-Gebiet östlich des Rheins umgangssprachlich gesprochen wurde, als typisches "Hessisch" verstanden. Außerhalb Hesens vor allem angeregt durch erfolgreiche Produktionen im Rundfunk und im Fernsehen wie der "Familie Hesselbach" vom Hessischen Rundfunk.

 

Grode: Wo spricht man Hessisch - in ganz Hessen?

Metzner: Man spricht "Hessisch" in ganz Hessen, wenn  man damit sagen will, dass politische Grenzen auch automatisch Sprachgrenzen sind. Will man aber nicht fehlgehen, so sind nur die Dialekte als "hessisch" zu bezeichnen, die zu ganz wesentlichen Teilen im Bundesland liegen: Niederhesisch (um Kassel), Osthessisch (um Fulda), Mittelhessisch (um Marburg und Gießen) und Südhessisch (um Frankfurt/Darmstadt und Wiesbaden/Mainz).

 

Grode: Welche Dialekte grenzen an das Hessische?

Metzner: Großräumig grenzen an die eigentlich hessischen Dialekte im Norden niederdeutsche Mundarten (in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen), im Osten das ostmitteldeutsche Thüringisch, im Südosten das schon oberdeutsche Ostfränkische (im bayerischen und badischen Franken) und im Süden und Südwesten das Südrheinfränkische und westliche Rheinfränkische (in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz).

 

Grode: Was für ein Hessisch spricht man in Ginsheim-Gustavsburg, Bischhofsheim, Raunheim, Rüsselsheim, Kelsterbach und Nauheim?

Metzner: Im nördlichen Kreis Groß-Gerau wird "Südhessisch" gesprochen. Es handelt sich, zwischen Trebur/Oppenheim, Mainz und Frankfurt gelegen, um  eine der Kernlandschaften des rheinübergreifenden Rheinfränkischen und zugleich mit um die Kernlandschaft des mittelalterlichen deutschen Reichs. Im Rheinfränkischen sind Elemente einer ersten deutschen Besiedlung durch Alamannen mit späteren fränkischen Elementen verschmolzen.

 

Grode: Haben Sie ein persönliches Lieblingswort auf "Hessisch"?

Metzner: Ein Lieblingswort von mir ist das fast ausgestorbene "aijereggisch" (=eiereckig) für "oval". Es zeugt von der eingeborenen Intelligenz auch der ungebildeten Mundartsprecher, die eine schwierig zu beschreibenden Sachverhalt mit ihren sprachlichen Mitteln zu benennen vermochten, wofür das Hochdeutsche ein Fremdwort brauchte.